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Im Grimsel-Dialog haben sich der Kanton Bern, die Kraftwerke Oberhasli (KWO) und mehrere Umweltverbände auf ein umfassendes Paket von Ausgleichsmassnahmen geeinigt. Damit sollen die Ausbauprojekte im Grimselgebiet mit ökologischen Verbesserungen an Gewässern im Kanton Bern verknüpft werden. Ein möglicher Rückbau des Simmewehrs, welches sich im Eigentum der BKW befindet, steht dabei besonders im Fokus der öffentlichen Diskussion.
Die BKW unterstützt den eingeschlagenen Weg. Sie setzt sich dafür ein, dass die Ausbauvorhaben der KWO zeitnah realisiert werden können. Das Simmewehr spielt dabei eine zentrale Rolle.
Gesetzliche Pflicht zur Sanierung
Der Hintergrund der Projektvariante reicht über den Grimsel-Dialog hinaus. Wasserkraftbetreiber sind gesetzlich verpflichtet, bestehende Anlagen ökologisch zu sanieren. Dazu gehört unter anderem die Verbesserung der Fischgängigkeit (weitere Informationen). Finanziert werden diese Massnahmen über eine zweckgebundene Abgabe von 0,1 Rappen pro Kilowattstunde, die von den Stromkonsumentinnen und -konsumenten getragen wird. Ob eine konkrete Massnahme als verhältnismässig gilt und damit Anspruch auf diese Finanzierung hat, entscheidet der Bund, konkret das Bundesamt für Umwelt (BAFU).
Warum gerade das Simmewehr?
Das Simmewehr stellt heute ein Wanderhindernis für Fische dar und muss deshalb saniert werden. Die BKW hat dazu bereits vor mehreren Jahren eine Variantenstudie durchgeführt. Das Ergebnis: Aus ökologischer Sicht ist ein Rückbau des Wehrs, kombiniert mit einer unterirdischen Wasserleitung zwischen dem Kraftwerk Simmenfluh und der Wasserleitung zum Spiezmoosweiher, die wirksamste Lösung.
Diese Projektvariante reichte die BKW 2022 beim BAFU ein. Die Kostenschätzung von rund 55 Millionen Franken führte jedoch dazu, dass das BAFU die Massnahme als voraussichtlich unverhältnismässig einstufte. Gleichzeitig beauftragte es den Kanton Bern, eine Gesamtbetrachtung zu erarbeiten, um mögliche Synergien mit weiteren Sanierungsprojekten an der Simme zu prüfen. Diese Arbeiten laufen derzeit; die BKW begleitet und unterstützt sie aktiv.
Finanzierung und Entscheidungsprozess
Im Grimsel-Dialog schlugen die beteiligten Umweltverbände – in Kenntnis der offenen Finanzierung – vor, dass sich die KWO an möglichen Restkosten beteiligt. Die KWO hat dafür ein Budget von rund 6,5 Millionen Franken vorgesehen. Diese Beteiligung soll die Ausgangslage für eine positive Beurteilung durch das BAFU verbessern.
Ein konkreter Zeitplan für einen Rückbau besteht derzeit noch nicht. Es sind noch zahlreiche fachliche, technische und finanzielle Fragen zu klären. Der Lead für diese Abklärungen liegt beim Kanton Bern, eine zentrale Rolle spielt auch das BAFU. Erst danach kann entschieden werden, ob und wann der Rückbau umgesetzt wird. Sollte dies nicht der Fall sein, kommen im Grimsel-Dialog definierte Ausgleichsmassnahmen mit tieferer Priorität zum Zug.
Wie sich Landschaft und Energieproduktion verändern würden
Mit einem Rückbau würden Stauwehr und Aufstau verschwinden. Mithilfe einer Blockrampe, die aus Steinblöcken besteht, sollen die rund 15 Meter Höhendifferenz in der Simme naturnah ausgeglichen werden. Überschüssiges Wasser, das nicht in den Spiezmoosweiher geleitet werden kann, würde wieder in die Simme eingeleitet. Der Fluss erhielte in diesem Abschnitt einen deutlich natürlicheren Charakter.
Ein Rückbau hätte auch Auswirkungen auf die Stromproduktion, allerdings in begrenztem Umfang. Da das Wasser aus dem Kraftwerk Simmenfluh grösstenteils direkt in die bestehende Wasserleitung zwischen Wimmis und dem Spiezmoosweiher geführt werden könnte, werden die Produktionseinbussen auf rund vier bis fünf Gigawattstunden pro Jahr geschätzt. Das entspricht etwa fünf Prozent der Produktion des Wasserkraftwerks Spiez.
Gewinne für Fische – offene Fragen für die Region
Der Rückbau des Simmewehrs gilt als besonders wirkungsvolle aquatische Massnahme. Er würde die Fischgängigkeit der Simme deutlich verbessern, insbesondere für den Aufstieg der Seeforelle aus dem Thunersee zu ihren Laichgebieten. Deshalb hatte die BKW diese Variante bereits früh als bevorzugte Lösung für die Sanierung der Fischgängigkeit vorgeschlagen. Wie weit die Fische künftig aufsteigen können, hängt auch von weiteren Sanierungen flussaufwärts ab.
Noch offen ist, ob und in welcher Form Auswirkungen auf Strasse und Bahnverbindungen ins Simmental entstehen könnten. Es existieren verschiedene Projektvarianten, deren Details derzeit noch ausgearbeitet werden. Belastbare Aussagen sind erst möglich, wenn alle offenen Fragen geklärt sind.
Die kommenden Abklärungen werden zeigen, ob und in welcher Form der Rückbau des Simmewehrs umgesetzt werden kann und wie ökologische Verbesserungen, Energieproduktion und regionale Interessen bestmöglich in Einklang gebracht werden können.
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